Vorbereitung und die ersten Tage

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Das bis dahin größtes Erlebnis, unserer jungen Familie nimmt langsam Formen an. Dabei haben besonders die Kleinen die Ruhe weg und keinerlei Angst oder Beklemmung vor dem was sie erwartet. Wir dagegen schon. Schließlich sind wir, wenn auch freiwillig, so doch mit ein wenig bangen Gefühlen unterwegs. Bisher ist alles glatt gelaufen. Die Tickets sind da. Wir können das Erlebnis Kanada 1983 für mehr als neun Monate starten. Unser Sohn ist knapp über ein Jahr. Seine Schwester vier Wochen alt. Selbst wir wissen noch nicht, wie wir das hinbekommen sollen. Haben es uns ausgesucht und deshalb gibt es da jetzt keine zwei Meinungen. Rechtzeitig waren wir am Bahnhof, schließlich wollten wir den Zug nicht verpassen. Der Flieger in Köln startete erst den nächsten Tag, wir hatten also genügend Zeit.

Am nächsten Morgen hektische Betriebsamkeit um uns herum. Da hatten wir es gut: unsere Kleinen liegen wohlbehütet in ihren Liegegestellen und machten es sich so richtig gemütlich. Das erste Mal fliegen. Sogar etwas was wir bisher nicht erleben durften. Ein Eindruck, der sich scheinbar, wie Urlaub anfühlte. Doch auch dieses kannten wir noch nicht, denn Urlaub in dem Sinne, dass wir mal eben irgendwohin fahren, war uns bis dahin unbekannt. Egal jetzt mussten wir damit klarkommen, zur Not auch mit Urlaub. Im Flieger bekamen wir diverse Unterlagen. Darunter auch ein Faltblatt mit etlichen Linien darauf. Zunächst wussten wir nicht, was wir damit anfangen sollten. Wie sich später herausstellte war das der Straßenplan von Manitoba. Wie an diesen beiden Bildern, das konnten wir dann anhand des Planes nachvollziehen, waren die geraden Striche die Straßen, die anderen dann wohl Flüsse. Das erste Aha-Erlebnis.

In Winnipeg angekommen, war alles stramm durchorganisiert und wir sind relativ flott aus dem Flughafengebäude raus und in einen Bus rein. Dieser kutschierte uns dann zweieinhalb Stunden durch Manitoba. Dabei gab es während der Fahrt kaum Abwechslung. Der Bus fuhr nur geradeaus. Kurven wie wir sie gewohnt waren, gab es nicht. Erst als wir vom Highway # 1 abbogen. Da traf uns fast der Schlag. Der Ort Douglas, bestehend aus etwa 25 Häusern, lag verträumt am Wegesrand. Wenn man in dem Moment hätte umdrehen können, hätten vermutlich einige davon Gebrauch gemacht. Diese unendliche Weite konnten wir uns bis dahin gar nicht vorstellen. Shilo, unser zu Hause für die kommenden Monate war in Reichweite.

Wir wurden schon im Speisesaal der Küche erwartet. Es folgten lange ausdauernde Reden, die vielleicht wichtig waren, im Moment aber wenig hilfreich. Da wir weder am Flughafen noch unterwegs die Möglichkeit hatten die Kinder vernünftig zu versorgen, wurde es nun langsam Zeit. Die eine Windel war schon voll, fast bis zum Hals, die andere nicht weit entfernt davon. Entsprechend war die Gemütslage der Kleinen. Darunter litten auch wir. Nach einer kurzen Intervention konnten wir dann in unsere Wohnung.

Die Familie, die sich um uns kümmern sollte, hatte alles perfekt vorbereitet. So konnten wir jetzt die Kinder versorgen und schon mal das Notwendigste auspacken. Es wurde für alles gesorgt, sogar ein zusätzliches Kinderbett wurde bereitgestellt. Zwischendurch fanden wir sogar Zeit die nähere Umgebung ein wenig zu erkunden. Dabei kamen wir in den Genuss, das erste wilde Tier in freier Laufbahn zu sichten. Ein waschechtes kanadisches Eichhörnchen. Nach den Vorbereitungen um es gemütlich zu haben, wurden wir von der Familie, die uns die ersten Tage unterstützte in die weiteren Abläufe oder auch Grundlagen eingewiesen. Mit dem Notwendigsten waren wir im Vorwege bereits ausgestattet worden, um die ersten Tage gut über die Runden zu kommen. Der Kühlschrank und die Vorratskammer waren, dank der uns unterstützenden Familie, mit einigen Sachen befüllt. Zur Unterstützung gehörte auch die Fahrt in den nächsten größeren Ort nach Brandon. Neben Führerschein, Bankcard und sonstigen wichtigen Terminen wurde auch das Einkaufen in den verschiedenen Einrichtungen geübt. Wobei das mit der Übung mehr ein Zeigen der unterschiedlichen Möglichkeiten war. Wir wunderten uns schon ein wenig über die großen Gebinde, die es in den Supermärkten gab. So war ein 5 Liter Kanister mit Milch ganz normal. Oder die riesigen Cornflakes Schachteln. Ganz zu schweigen von den mehr als 1 Liter fassenden Gläsern mit Miracel Whip. Aber auch, das bemerkten wir allerdings erst beim nächsten Frühstück, mit Ei. Die Eidotter waren von einem ganz dezenten blassen gelb. Da musste man sich auch erst dran gewöhnen. Man könnte noch viele Sachen mehr mit aufführen. Wir jedenfalls waren erstaunt.

Mit dem Telefon das war auch so eine Sache. Man konnte mit *66 zum Beispiel, wenn man jemanden angerufen hatte, der gerade im Gespräch war, sich zurückrufen zu lassen. Mit dieser Technik waren wir noch gar nicht vertraut. Es gab auch, wenn man eine Telefonnummer, hatte ins örtliche Telefonbuch sehen um dort anhand der Auflistung der Nummern zu suchen zu wem diese gehört. Hut ab, da war wirklich an vieles gedacht. Auf jeden Fall weit mehr als wir uns vorgestellt hatten.  Wir jedenfalls waren sehr zufrieden und machten es uns so gemütlich wie nur möglich. Natürlich hatten wir ganz andere Interessen als zum Beispiel Familien mit Kindern im schulpflichtigen Alter oder sogar Teenager. Deshalb haben wir es die ersten Tage erst einmal etwas ruhiger angehen lassen.

Insgesamt war die Unterstützung innerhalb dieser Shilo Gemeinde überall sehr gut. Man könnte sie fast als familiär bezeichnen. Ob es die Sanitäter oder auch die Feldjäger waren, egal wo man hinkam, und ein Problem hatte, wurde einem geholfen. Mit der Hilfe und gegenseitigen Unterstützung wurde allerdings auch manchmal der Bogen überspannt. So waren wir froh, dass wir nicht im Bereich der Lundy`s Lane gewohnt haben. Auch gab es für uns, dank der Schienen, jede Menge Abwechslung. Besonders morgens um halb vier, wenn der Zug in Richtung Winnipeg oder Brandon unterwegs war. Dieses Geräusch der Zug Sirene und das Klingeln der Glocke am Bahnübergang hallt immer noch nach. Mit Schnee war, bis in den Mai hinein, zu rechnen. Was wir bisher noch gar nicht kannten waren die Kennzeichen für die Fahrräder. Der Autokauf dagegen war eher unproblematisch, wie fast alles hier. Man gönnte sich einfach einen der Ami Schlitten die bereits seit Jahren hier an die Nächsten weitergegeben werden. Wir waren diesbezüglich spät dran. Trotzdem fanden wir einen Plymouth Grand Sedan. In total schicken grün.

Die Häuser übrigens waren, wie Reihenhäuser geschnitten und aufgebaut, so dass jeder seinen eigenen Eingang hatte. Auch die Gärten waren separat. Mit etwas Holz konnte man sich dann eine Sandkiste zaubern. Auch ein Zaun im Laufe des Frühlings war nicht so schlecht. Es wäre auch ohne Zaun gegangen, denn in dieser Gegend waren die Kleinen, sollten sie mal ausbüchsen, meilenweit zu sehen. Gilt es schließlich so früh wie möglich die Welt zu erkunden. Das waren Gedanken, die mit Sicherheit nicht vollständig sind, den einen oder anderen vielleicht sogar an eigene
ähnliche Erfahrungen erinnern. Viele haben sicher ganz eigene Erkenntnisse gewonnen. Diese Zeit aber, möchten wir nicht missen, denn die vielen Menschen mit unterschiedlichen Ansichten und Forderungen unter einen Hut zu bringen ist sicher nicht so ganz einfach. Wir sind jedenfalls der Meinung, dass das sehr gut funktioniert hat. Die Unterstützung der eigenen Familie, in allen Lebenslagen, eingeschlossen. Hier in Kanada ist das Autofahren nicht so aggressiv wie in unserem Land. Es wir mehr Rücksicht auf die Schwächeren genommen, besonders Kinder. Wer erwartet, dass hier dienstliche Vorgänge, also Arbeit an erster Stelle steht, der wird in diesen Ausführungen über diesen Bereich kaum etwas finden. Sicher ist die Arbeit wichtig und auch notwendig, aber da hat jeder so seine eigene Art damit umzugehen. Diese Berichte sollen von der Arbeit ein wenig ablenken. Viele Überstunden auch an Wochenenden sind dabei gewesen. Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, die freie Zeit mit der Familie und in einem fremden Land sinnvoll zu nutzen. Wer weiß denn schon, ob er nochmals in den Genuss kommt, in einem anderen Erdteil etwas zu erleben.

Manchmal hätte man Zeit und ich machte aus purem Interesse den kanadischen Jagdschein. Etwas, was man sonst nie machen würde. Aber aus purem Interesse und auch wie hier mit der Natur umgegangen wird, schien das eine andere Art etwas Neues kennen zu lernen. Nach mehreren Tagen der Ausbildung, die theoretisch und praktisch erfolgte, erwarb man dann, durch eine Prüfung dokumentiert, die Übergabe der Zertifikate und der Lizenz. Eine schöne lehrreiche Abwechslung neben der täglichen Arbeit.

Gerd

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